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21. Juni - 9. August 1998
Eröffnung: Samstag, 20. Juni, 20 Uhr
Vortrag und Diskussion: Hubertus Butin - Die Einheit des Disparaten.
Anmerkungen zum künstlerischen Produktionsprinzip Gerhard Richters
Realisiert in Zusammenareit mit Hubertus Butin
Der
Neue Aachener Kunstverein NAK zeigt in Zusammenarbeit mit der Neuen Galerie
in München-Dachau eine Ausstellung, die einen
repräsentativen Überblick über das druckgrafische Oeuvre
Gerhard Richters ermöglicht. Aus verschiedenen Museen und
Privatsammlungen werden ausgewählte Arbeiten vorgestellt, die
einen Eindruck vermitteln von der großen Vielfalt der
druckgrafischen Produktion des Künstlers in den letzten vier
Jahrzehnten. Die Ausstellung, kuratiert vom Verfasser des
Werkverzeichnisses und Kölner Kunsthistoriker Hubertus Butin, wurde
in größerem Umfang bereits in Bremen, Berlin und Edinburgh
gezeigt.
Gerhard Richter (*1932 in Dresden) gilt international
als eine zentrale Figur der zeitgenössischen Kunst. Insbesondere
seine Malerei steht immer wieder im Zentrum des aktuellen Interesses.
Hingegen gehören seine Druckgrafiken immer noch zu den weniger
untersuchten Aspekten seines Oeuvres, obwohl die Aufmerksamkeit der
Museen, Galerien und Sammler in den letzten Jahren durchaus
spürbar zugenommen hat; so werden Drucke von Richter im
nächsten Jahr beispielsweise auch im New York Museum of Modern Art
ausgestellt. Die Ursache für das trotzdem nicht zu leugnende
Missverhältnis zwischen der Wertschätzung der Malerei
und speziell der Druckgrafik ist in dem Umstand zu sehen, daß
sich Richters druckgrafische Arbeiten nicht in die herkömmlichen
Anschauungsweisen und Begriffskategorien übersetzen lassen. Denn
eine den traditionellen Konventionen verpflichtete Anwendung der
künstlerischen Mittel für heutige Druckgrafik lehnt er bewusst ab.
Schon
mit seiner ersten Grafik von 1965 stand für den Künstler
fest, ausschließlich fotomechanische Reproduktionstechniken
anzuwenden (Offsetdruck, Siebdruck, Heliogravure und Lichtdruck). Damit
hat er - Andy Warhol vergleichbar - den Gegensatz von industrieller
Technik und künstlerischer Handschrift untergraben. Auf diese
Weise wird auch das Merkmal einer unverwechselbar persönlichen
Handschrift, wie man sie so gerne in der Grafik goutiert, bei Richter
ausgeschaltet. Seine Blätter, die meist auf Fotografien basieren,
weisen oftmals keinen spezifisch druckgrafischen Reiz auf, weshalb er
selbst auch von "Anti-Grafik" spricht. Trotzdem oder gerade deswegen
hat er mit seinem grafischen Oeuvre einen bildnerischen Reichtum
entfalten können, der die Möglichkeiten des Mediums auf ganz
grundlegende Weise erweitert hat. Kaum ein anderer deutscher
Künstler hat so konsequent und vielfältig die
künstlerische Anwendbarkeit industrieller Drucktechniken erprobt,
welche heute mittlerweile, nachdem Richter vor über 30 Jahren
damit begonnen hat, von jungen Künstlern und Künstlerinnen
ganz selbstverständlich zum Einsatz gebracht werden.
Richter
ist dafür bekannt, daß er die verschiedenen historischen
Gattungen und Kategorien der grafischen und malerischen Praxis immer
wieder durcharbeitet, überprüft und neu belebt. Die
kritische, aber höchst sinnliche Reflexion der Bedingung,
Möglichkeiten und Grenzen der eigenen Bildmedien ist das ganz
grundsätzliche Anliegen des Künstlers, was nun anhand
der Druckgrafiken erneut überprüft werden kann.
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