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8.März - 9. Mai 1999
Eröffnung:
Samstag, 27. März, 20Uhr
Wolfgang Tillmans
(*1968 in Remscheid) gehört zu den bekanntesten und
meistdiskutierten Künstlern der 90er Jahre, weil er auf eine
sehr unmittelbare Art, mittels Fotografie, das spezifische
Bewusstsein dieser Zeit portraitiert und weil er seine
Arbeiten nicht nur in Kunstausstellungen, sondern auch in Szene-Zeitschriften
wie SPEX oder der Londoner "iD" präsentierte. Es geht um
Personenportraits von Freunden seiner Generation, Situationen im
Privatleben, in Clubs oder bei Parties, aber auch um Stilleben, Genre-
und Naturaufnahmen, die in Tillmans spezifischen Hängungen
bzw. Publikationen wie emblematische Reihen erscheinen, die von
Sehnsüchten und Begehren handeln. Idee der Ausstellung im
Kunstverein ist eine Gegenüberstellung von Tillmans Fotografien
mit einem filmischen Werk aus den 70er Jahren, das damals sehr
ähnlich agierte und im aktuellen Kontext eine Wiederentdeckung
wert ist.
Michel Auder, ein Franzose, der Ende der 60er Jahre
in die "Factory" von Andy Warhol kam und seither in New York lebt,
drehte zahlreiche Filme (später Videos) in der Kunstszene um
Warhol und Downtown Manhattan, portraitierte das Privatleben und
private Statements von Freunden wie Warhol, Viva oder Larry Rivers,
aber auch Yoko Ono oder Kris Kristoffersen, die dabei häufig
zu Schauspielern wurden.
Beide Werke gehen über das
oberflächliche Zeit- und Szeneportrait hinaus. Sobald man die
schillernden Figuren in Auders Filmen identifiziert hat und sich auf
dessen experimentelle oder gar spielfilmartige Ideen des Portraits
konzentriert bzw. im Fall von Tillmans dessen weit weniger bekannte
personenlose Fotografie betrachtet, treten tiefgründigere
Dimensionen hervor: die intime Nähe der Kamera, die
innere Beteiligung beider Beobachter und die Außenposition
dessen, der diese Aufnahmen sieht.
Aus Aczente, Nr.2,
März-Mai 1999; Text von Susanne Titz.
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