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Ausstellung: 7. März bis 2. Mai
Eröffnung: Samstag, 6. März 20 Uhr, Artist Talk 18 Uhr
Der
in Berlin lebende Maler Anselm Reyle (*1970 in Tübingen)
realisiert seine erste institutionelle Einzelausstellung mit einem
lokal- und kunsthistorischen Bezugspunkt, dessen Vermittlung sich als
ein unvoraussehbar spannendes Unternehmen für das Publikum
erweisen wird: Das Projekt entstand aus der Frage nach einer
künstlerischen Korrespondenz zwischen dem sehr aktuellen Werk von
Reyle und dem Oeuvre des in Aachen geborenen Informel-Malers Karl Otto
Götz. Dessen 90. Geburtstag in diesem Frühjahr ist Anlass
für eine große Retrospektive im Suermondt-Ludwig-Museum und
im Ludwig Forum Aachen (27. März - 30. Mai).
Am Anfang
stand vergleichendes Sehen, das sich durch zufällige
Nachbarschaften von Werken beider Künstler ergeben hat. Es stellte
sich heraus, dass Anselm Reyle die ferne Vorgängerschaft durchaus
bewusst ist: durch seinen Karlsruher Professor Helmut Dorner (ein
ehemaliger Schüler von Gerhard Richter, der bekanntlich
Schüler von Götz gewesen ist) und eine während des
Studiums entstandene Leidenschaft für Werke von K.O. Götz in
der nahe gelegenen Kunsthalle Mannheim. Eine kunsthistorische
Nachfolgeschaft anzutreten, lag ihm nahe, war ein prekäres, doch
auch bedeutendes Reflexionsmoment für das eigene Werk.
Anselm
Reyles Malerei zeigt noch einmal den schnellen und selbstbewusst
freistehenden Gestus von Karl Otto Götz. Doch sie ist jetzt, in
unserer heutigen Präsenz und jenen Konstellationen, die Reyle ihr
beigibt, ebenso abstrakt wie gegenständlich, ebenso Behauptung wie
Zitat. Jeder Pinselstrich wird monumental ausgeführt, durch
wirkungsvolle Kontraste und phosphorisierende Farben bis ins
Symbolische gesteigert und in demonstrierter Einzelkämpferschaft
auf die Leinwand gebracht; jeder dieser Striche wird zum Synonym seiner
selbst, begleitet von Spritzern, Kleksen und anderen Nebeneffekten. Das
Motiv der Kraft überträgt sich auf solche Leinwände, wo
Rahmenbildungen und Carrés erscheinen, jeweils als Formen, die
auf physische Weise Verdrängung suggerieren. Reyles malerisches
Prinzip greift aus auf Materialbilder und die Kolorierung von
Gegenständen. Jene meist vom Sperrmüll stammenden Objekte
finden in den Ausstellungsräumen mitten unter den Gemälden
Platz, wobei ihre Herkunft durch die Verwendung von Phosphorfarben
weitgehend verunklart wird. "Licht und Farbe" meint in diesem
irrisierenden, die Moderne evozierenden Zusammenhang Transzendenz,
Übergang zu einer Sphäre, die das Materielle
überschreitet. In Reyles zeitgenössischer Haltung erscheinen
Grenzwerte, Muster und Hinterfragungen dieser Topoi. Die Frage nach der
Existenzberechtigung solcher Bilder wird aufgeworfen, Geste wird als
Komposition, Komposition als Geste enthüllt.
In dieser
Ausstellung betreibt Anselm Reyle ein freies, gegenwärtiges Spiel
mit Fragen, die Karl Otto Götz einst, um 1960, zu einem
Schwellenkünstler gemacht haben, doch heute kaum mehr wahrgenommen
werden. Es ist lohnenswert und in diesem Rahmen erwünscht, eine
historisierende Perspektive auf das Werk von K.O. Götz
einzunehmen. Seinerzeit ging es um das Aufbrechen von malerischer
Komposition und um deren Ablösung. Es ging um Geschwindigkeit und
Zufall anstelle von kompositorischer Kalkulation, um Prozess, Bewegung,
reine Geste, Auflösung von Autorenschaft. Diese Begriffe wurden
für die Generation von Götz‘ Schülern, Sigmar
Polke, Gerhard Richter, H.A. Schult, Franz Erhard Walther und viele
andere, zentral und sollten fortan in unterschiedlichster Weise auf die
Überwindung des Expressionismus in der Nachkriegskunst zielen. Die
Ausstellung fragt insofern nach akuten künstlerischen
Beweggründen für eine Auseinandersetzung mit der
Kunstgeschichte der 50er und 60er Jahre, deren Vokabular in den
Gemälden und Objekten von Anselm Reyle eine aktuelle, unserer Zeit
entsprechende Transformation erfährt.
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