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Ausstellung: 20. Juli - 12.September 2004
Ausstellungseröffnung: Dienstag, 20. Juli 20 Uhr
Audimax / Volksbühne Manifestation
Theateraufführung: Audimax der RWTH Aachen am 12. September 2004, 20 Uhr
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin am 18. September 2004,
19 und 22 Uhr
Die
amerikanische Künstlerin Catherine Sullivan (*1968, lebt und
arbeitet in Los Angeles) bereitet zur Zeit ein Projekt vor, das mit den
Mitteln des Theaters eine Neubetrachtung von dramatischen
Konfrontationen zwischen Publikum und Kunst anzeigt. Ausgangspunkt ist
das legendäre Festival der Neuen Kunst, das am 20. Juli 1964 im
Audimax der RWTH Aachen stattfand und einen physisch ausgetragenen
Konflikt zwischen Akteuren und studentischem Publikum sowie eine
Strafanzeige zur Folge hatte. Das Foto des blutenden Joseph Beuys, der
mit einem Kruzifix in der Hand gegen die Menge der Studenten tritt,
gehört zu den berühmtesten Dokumenten dieser Zeit. Am
Festival beteiligt waren außerdem Eric Andersen, Bazon Brock,
Stanley Brouwn, Robert Filliou, Arthur Koepke, Tomas Schmit, Ben
Vautier, Wolf Vostell und Emmett Williams (vgl. Kat. "Wollt Ihr das
totale Leben, Fluxus und Agit Pop in Aachen", hg. v. Sibille Spiegel
und Adam Oellers, Neuer Aachener Kunstverein 1993)).
Catherine
Sullivan nutzt dieses Ereignis als Basis für eine kollektive
Theaterproduktion, zu der sie bildende Künstler, Musiker und
Schauspieler unterschiedlichster Herkunft und Kontexte zusammenbringt.
Mit dieser Konstellation von Beteiligten will sie Konfrontation,
Konflikt und Widerspruch als strukturelle Prinzipien durchspielen und
hierbei Inhalte entwickeln, die sich aus der Auseinandersetzung mit dem
Fluxus Festival als Avantgarde-Mythos wie auch aus den
Sensibilitäten und Konflikten der am Projekt Beteiligten
herleiten.
Im Zusammenhang aktueller Perfomance- und
Aktionsszenen erhält das spezifische, die Historie und die
Gegenwart gleichermaßen reflektierende Moment in Sullivans
Konzept eine besondere Signifikanz. Die deutsche Geschichte von Fluxus
und Agit Pop ist nach wie vor virulent, alljährlich erleben wir
populäre Ausstellungen in der gesamten Republik. Besonders
präsent ist die Szene von Fluxus-Zeitzeugen und -Akteuren im
Rheinland. Das Festival vom 20. Juli 1964 wurde von Aachener
RWTH-Studenten organisiert und sie beteiligten sich selbst mit eigenen
Aktionen. Vor diesem Hintergrund will der NAK alle Energie einbringen,
um das aktuelle Theaterprojekt von Catherine Sullivan, dessen
Konzeption tatsächlich eine distanzierte Neubetrachtung dieser
Zeit einfordert, dem deutschen Publikum vorzustellen.
Der NAK
wirkte als lokaler Berater und Kontaktgeber an der Vorbereitung dieses
Projekts mit, dessen Idee aus Anlass des Performance-Festivals
Nouvelles Tendances am Consortium Dijon entstand. Eine erste Umsetzung
fand im Dezember 2003 im Atheneum Dijon sowie auf Einladung der
Biennale de Lyon in der Opera Lyon statt, im April 2004 gastierte das
Projekt anlässlich der Whitney Biennial in New York und Chicago.
In Deutschland wird Catherine Sullivan mit einem neuen, durch deutsche
Künstler und Schauspieler ergänzten Ensemble eine
Aufführung im Aachener Audimax, am historischen Ort des Festivals
vom 20. Juli, realisieren und parallel für den NAK eine
Einzelausstellung zusammenstellen, welche das grenzüberschreitende
künstlerische Werk Sullivans erstmalig in Deutschland vorstellen
wird.
Im Zentrum der Ausstellung steht die Videoinstallation
"Tis Pity She"s a Fluxus Whore" (2003), welche erstmalig in Deutschland
zu sehen ist. In einer raumgreifenden, großformatigen
Doppelprojektion erscheinen gefilmte Reinszenierungen aus dem Audimax
in Aachen in Gegenüberstellung zu einer ähnlich
rekonstruierenden Inszenierung, die Sullivan im Avery Memorial Theater
in Hartford, Connecticut unternahm. Sullivan stellt hier einen
expliziten Vergleich zwischen künstlerisch-aktionistischen und
theatralischen Handlungen her, der außerordentlich suggestiv und
atmosphärisch packend auch auf ein unwissendes Publikum einwirkt.
Desweiteren soll die Ausstellung das künstlerische Konzept von
Catherine Sullivan in fotografischen Serien und dokumentarischen
Materialien umfassend erläutern. Sie bezieht sich hierbei gezielt
auf Sullivans aktuelle Produktionsreihe zur Thematik des "20. Juli
1964" und stellt das mehrjährige Gesamtvorhaben Sullivans dar. Zur
Zeit beschäftigt sich Catherine Sullivan mit der Möglichkeit,
auch originale Dokumente aus der Zeit von Fluxus und Agit Pop in ihre
Ausstellung zu integrieren. Diese Präsentationsform wurde
erstmalig in einem Ausstellungsbeitrag für die Biennale de Lyon
sichtbar (Museumsinstallation aus der Fluxus-Sammlung des Musée
des Beaux Arts, Lyon). Im NAK ist desweiteren die Wiederaufführung
originaler Ton- und Filmaufnahmen aus den sechziger Jahren geplant,
welche als Rahmenprogramm zur Ausstellung angeboten wird.
Catherine
Sullivan ist ab Mai 2004 Stipendiatin des DAAD-Künstlerprogramms.
Sie bereitet ihre Zusammmenarbeit mit den deutschen Akteuren
während ihres diesjährigen Aufenthalts in Berlin vor und wird
die Liste aller am Projekt beteiligten Künstlerinnen und
Künstler voraussichtlich im Juni 2004 bekannt geben können.
"Getting
Out of the 20th Century Alive" von Catherine Sullivan wurde mit dem
Preis der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ausgezeichnet.
Auf Einladung der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz wird
die Theaterproduktion anlässlich der Messe Art Forum am 18.
September in Berlin gastieren. Die Dokumentation des gesamten Vorhabens
wird in einem Katalog publiziert, der in Zusammenarbeit mit dem
Kunstverein Braunschweig herausgegeben wird (dort Einzelausstellung von
Catherine Sullivan ab 4. September 2004).
Das Projekt wird realisiert mit großzügiger Unterstützung durch
die Kulturstiftung des Bundes,
die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung,
das Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW,
die West LB Düsseldorf
und das Kulturbüro der Stadt Aachen.
Tickets
für die Aufführung in Aachen gibt es ab 20. Juli im NAK, an
der Theaterkasse Aachen und über NRW-Ticket (Preis im Vorverkauf:
10 Euro, ermäßigt, auch für alle Mitglieder des NAK: 6
Euro) |