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28. August - 02. Oktober 2005
Eröffnung: Samstag, 27. August 2005 um 20 Uhr
Artist Talk mit Michael Stevenson um 19 Uhr
Führungen zur Ausstellung:
jeweils Sonntag um 15 Uhr am 4. September und 2. Oktober,
sowie im Rahmen der Aachener Kunstroute am 17. und 18. September stündlich von 12 bis 17 Uhr
Die
Ausstellung von Michael Stevenson (*1964) bildet den Abschluss seines
vielteiligen und bezugreichen Projekts, das er seit über einem
Jahr für die Sammlergruppe Twodo und auf diesen Abschluss hin
entwickelt hat. Nach den Stationen des Projekts im Mai 2004 unter dem
Titel Argonauts of the Timor Sea in der Darren Knight Gallery in Sydney
und im Dezember 2004 in der Herbert Read Gallery in Canterbury, fand
als Auftakt zur Aachener Ausstellung am 21. Mai 2005 bereits die
Aufteilung im NAK statt. Hier wurde das Hauptobjekt des Projekts, das
lebensgroße Floß, von Stevenson und mit tatkräftiger
Unterstützung der anwesenden Twodos in seine Einzelteile
zersägt.
Die Ausstellung The Gift: The Form and Reason for
Exchange in Archaic Societies fasst die verschiedenen Stationen des
Projekts nochmals zusammen. Neben der Dokumentation einer realen
Seebereisung von Stevenson auf dem Floß, wird es Fotografien,
alle an die Twodos überreichten Gaben und neue Objekte zu sehen
geben, die Stevenson aus den Materialien des zerteilten Floßes
gefertigt hat und in Form von Geschenken an die Twodos zurückgibt.
Die Grundidee des Projekts entwickelte sich aus der besonderen
Struktur der Twodo-Collection, deren Ziel des Aufbaus einer gemeinsamen
Sammlung nicht nur durch den individuellen Besitz eines Objektes,
sondern vor allem in der kommunikativen und interaktiven Intention des
Gesamtwerks realisiert wird. Inhaltlich basiert das Projekt auf der
realen Geschichte um den mittellosen schottischen Maler Ian
Fairweather, der in den 1950er Jahren in Australien lebte und sich auf
eine waghalsige Seereise begab, als er aus der Zeitung erfuhr, dass
eines seiner Bilder in der Tate Gallery in London ausgestellt war.
Inspiriert von Thor Heyerdahls Kon-Tiki baute er sich dafür ein
Floß aus drei Flugzeugtanks und einem Segel aus Fallschirmseide,
die sozusagen aus dem Himmel gefallen waren. Nach sechzehn Tagen auf
See landete er völlig erschöpft, verhungert und
durchnässt auf der kleinen indonesischen Insel Roti – dem
letzten Stück Land, bevor er auf den offenen Indischen Ozean
getrieben wäre. Die Eingeborenen empfingen den gestrandeten
Fairweather zurückhaltend, teilten aber die Teile des geschundenen
Floßes unter sich auf und verstanden sie als überbrachte
Geschenke. Im Gegenzug gab man Fairweather Unterkunft und Pflege.
In
der Ausstellung beschäftigt sich Michael Stevenson vor allem mit
den vielfältigen Aspekten eines ‚mittellosen’
Lebensstils, der jegliche soziale und ökonomische Normen ablehnt
und sich stattdessen weit über die Grenzen der westlichen
Marktgesetze hinaus in ursprünglichen Formen der Geschenk- und
Tauschwirtschaft organisiert. Durch den Abschluss werden die zentralen
Fragestellungen noch mal explizit ausformuliert: Gibt es alternative
Wirtschaftformen, die nicht den Regeln der westliche Ökonomien
gehorchen? Wie ist das Verhältnis zwischen dem Produzenten eines
Kunstwerkes und dessen Rezeption zu denken? Welche bereichernden
Aspekte beinhaltet die Beschäftigung mit Lebensstilen abseits
gängiger sozialer und wirtschaftlicher Normen?
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