Installationsansichten
NAK, 2008, (c) Achim Kukulies
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EUROVISION ZEIGT TOBIAS DANKE INTERRIOR / EXTERRIOR
20.
Juli – 31. August 2008
Eröffnung:
Samstag, 19. Juli 2008, 20 Uhr
Artist Talk:
Samstag, 19. Juli 2008, 19 Uhr
Im
Rahmen der Langen Nacht
der Aachener Museen:
Performance: 23. August, 20 Uhr !!!
Katalogpräsentation:
Sonntag, 23. August
Führungen:
Sonntags
um 15 Uhr, am 27. Juli und 10. August,
sowie
im Rahmen der Langen Nacht der
Aachener Museen am 23. August 2008 um 19.00 Uhr und 21.00 Uhr
Das
Ausstellungskonzept der
EUROVISION, gezielt junge
Künstler und
Künstlerinnen aus der Euregio zu zeigen, geht 2008 ins zweite
Jahr. Nachdem im
letzten Jahr die Aachener Künstlerin Johanna Roderburg (*1954)
mit einer
Einzelausstellung ein großes Publikum anzog, zeigt der NAK
2008 die erstmalige
Kooperation der Aachener Künstler Tobias Danke (*1970) und
Thomas Mohren
(*1973), die mit „Tobias Danke Interrior / Thomas Mohren
Exterrior“ ein Projekt
extra für den NAK realisiert haben.
Der Titel
„Interrior / Exterrior“
verweist nicht nur auf zwei diametral entgegengesetzte Strategien des
künstlerischen Schaffens, sondern auch auf das Zusammenspiel
der beiden
Künstler und ihrer Arbeiten in dieser exklusiven Ausstellung.
Nicht umsonst deutet
der gewählte
Ausstellungstitel ein Geflecht an Bedeutungen und Querverbindungen an,
das sich
in den ausgestellten Werken, in ihren Verästelungen und
Verwurzelungen,
spiegelt. Die in diese Wortschöpfung eingeflossenen
lateinischen Begriffe
„interior“ (das Innere),
„exterior“ (das Äußere) und
„terra“ (die Erde)
bezeichnen eine Auseinandersetzung mit inneren wie
äußeren Prozessen, mit artifiziellen
wie natürlichen Formen. Auch das Interieur, die
Innenausstattung von Räumen,
klingt hier an.
Während
sich Tobias Danke zum
Ausgangspunkt seines künstlerischen Denkens philosophische und
auch anthroposophische
Theorien wählt, die in seinem Werk Form annehmen, beobachtet
und dokumentiert
Thomas Mohren in tagelangen Streifzügen durch den Wald die
zuweilen bizarr
geformte Welt.
Tobias Dankes Teil
der
Ausstellung, „Interrior“, der das Innere des Raumes
einnimmt, könnte man als
Auseinandersetzung mit der Idee schlechthin bezeichnen. Nicht nur kann
man die
Installation „Interriortit“ als Form gewordene Idee
begreifen, sondern auch
direkte Hinweise auf das Höhlengleichnis Platos und die
„reine Idee“ finden. Ebenso
lässt sich Tobias Danke von der italienischen Sprachakademie
Accademia della
Crusca (wörtlich die „Weizenakademie“) und
ihrer Sprachmetaphorik inspirieren.
Die Accademia, im Florenz des 16. Jahrhunderts gegründet,
verglich ihr
Bestreben, die italienische Sprache zu reinigen, mit dem Bild, die
Spreu vom
Weizen zu trennen. In der traditionellen Innenausstattung der Akademie,
die aus
Brotkörben und Mehlschaufeln zusammengefügt ist, und
in der jedes Mitglied eine
eigene Schaufel mit Emblem besitzt, schlagen sich sprachliche Bilder
und Ideen,
die mit dem Prozess des Brotbackens verbunden sind, bis heute nieder.
Tobias
Danke, den dieses Umschlagen von Metapher in die konkrete
Realität von quasi-rituellen
Gegenständen und Möbelstücken interessiert,
vereint in seinem „Neuro Tisch“-Interieur
aus heutigen Brotkörben und einer metallenen Tischplatte mit
hochgebogenen, an
einen Höhleneingang erinnernden Seiten, die Bildsprache der
Akademie mit der platonischen
Idee. Der Betrachter, der sich an den „Neuro Tisch“
setzt, spiegelt sich ins
Unendliche – oder schaut er die reine Idee?
Begleitet,
ergänzt und erweitert
wird dieses „Interrior“ durch das
„Exterrior“ von Thomas Mohren. Seine
Fotografien schlängeln sich an den Wänden, also
außen, entlang, sie
beschäftigen sich aber auch inhaltlich, in den Motiven, mit
dem, was Außen
liegt – mit der freien Natur, dem öffentlichen
Stadtraum und nah an dem, was
wir durch das Sehen und in der Dokumentation als materielle
Realität
wahrnehmen. Und trotzdem erscheinen einem die Motive von Thomas Mohren
oft so,
als hätte man solche Phänomene noch nie gesehen, sie
wirken oft rätselhaft und
wie die Übrigbleibsel geheimer Machenschaften, deren Sinn wir
nicht dekodieren
können.
Tatsächlich
ist dies auch die
Herangehensweise von Thomas Mohren. Fast schon ein Teil der Natur
streift er
tagelang durch die Umgebung, vorzugsweise durch den Wald, und findet
seine
Motive, mehr als dass er sie wirklich sucht. Die Fotografien von Thomas
Mohren
stellen die Realität dar, aber nicht in Frage. Sie sind dazu
angetan, uns unser
Vertrauen in die Authentizität der Fotografie, die im
Zeitalter der digitalen
Manipulation und der aufgemotzten, veränderten Bilder bereits
abhanden gekommen
ist, zurückzugeben. Konsequent analog fängt Thomas
Mohren seine Motive ein und
verzichtet auf jegliche Nachbearbeitung. Seine Arbeitsweise beschreibt
er als
das Auffinden von „Vorbearbeitetem“, also dem
Profitieren von dem, was andere
Menschen oder auch die Natur letztlich schon geformt haben, um auf
seinen Fotos
festgehalten zu werden.
Zusammen treten
beide Arbeiten,
im ursprünglichsten platonischen Sinne, dialektisch in einen
Dialog, der die
Möglichkeit eröffnet, den äußeren
Schein der Dinge in ihren gegenseitigen
Verstrickungen zu ergründen und neue Erkenntnisse aus diesem
wechselseitigen
Spiel zu gewinnen.
Erweitert wird
dieser Dialog durch eine Performance der Künstler zur Langen Nacht der Aachener Museen.
Zur Ausstellung
erscheint ein
Katalog, der im Rahmen der Langen Nacht
der Aachener Museen präsentiert wird.
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