MEHR JETZT IST NIE  -  Eine Kooperation mit REMOTEWORDS.NET                                                           zurück


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Alle Fotos (c) Achim Mohné, REMOTEWORDS

 

MEHR JETZT IST NIE

Dachbeschriftung des NAK – Eine Kooperation des NAK mit REMOTEWORDS

 

Seit September 2008 ziert das Dach des NAK Neuer Aachener Kunstverein eine Aufschrift:

MEHR JETZT IST NIE, in knallroten Großbuchstaben quer über den Sattel des Daches hingeschrieben.

Die Lage des NAK-Gebäudes im hügeligen Stadtgarten ermöglicht auch von weitem einen Blick auf das Dach – durch Bäume hindurch erspäht man ein rotes Muster, das sich nicht unbedingt als Buchstaben entschlüsseln lässt.

REMOTEWORDS, ein Projekt der Kölner Künstler Uta Kopp und Achim Mohné, hat sich auf die Fahnen geschrieben, der Welt auf versteckte und verzögerte Weise Botschaften zu vermitteln.

Das Konzept von REMOTEWORDS beinhaltet, Dächer von Kunstinstitutionen mit Botschaften zu versehen, die im Laufe der Zeit bei google earth sichtbar werden. Die Wörter oder Sätze auf den Dächern spiegeln die Identität der jeweiligen Institution, spielen aber auch mit dem Fakt der vermeintlichen Unmittelbarkeit des Internets und besonders von google earth, bei dem oft erst nach Jahren ein dann schon nicht mehr aktuelles Bild eines Ortes zu sehen ist. Das heißt, die von REMOTEWORDS auf ein Dach geschriebenen Mitteilungen bleiben zunächst nicht nur für den Passanten, sondern auch für den Internet-User unlesbar bzw. unsichtbar.

Mit MEHR JETZT IST NIE hat der NAK eine Botschaft gewählt, die sich sowohl auf das eigene Programm der zeitgenössischen Kunst bezieht, als auch auf die von REMOTEWORDS angestrebte Reflexion des Mediums Internet und der Aktualität von google earth.

MEHR JETZT IST NIE bedeutet nicht nur die Zeitgenossenschaft von aktueller Kunst, die sich mit dem Hier und Jetzt der Gesellschaft und den Bedingungen menschlichen Seins auseinandersetzt, sondern auch das Potential der Kunst, wie keine andere Disziplin eben dieses Hier und Jetzt vermitteln zu können, Erfahrungen und Emotionen von unmittelbarer Intensität zu schaffen und den Betrachter im Jetzt zu verorten.

MEHR JETZT IST NIE bedeutet aber auch die kuratorische Arbeit am Puls der Zeit und die Suche nach den besonderen Positionen in der aktuellen Kunstszene, die das flüchtige Jetzt überdauern können und auch morgen noch gültig sein werden. Implizit klingt hier das Dilemma der zeitgenössischen Kunst an, mit jedem Moment, der vergeht, der Gefahr ausgesetzt zu sein, eben nicht mehr zeitgenössisch zu sein, ebenso aber das Potential, in den kunsthistorischen Kanon aufgenommen zu werden - „klassisch“ zu werden.

Aber MEHR JETZT IST NIE ist eben auch eine universale Wahrheit über die Zeit und das Leben, und beinhaltet in dieser Reflexion von Vergänglichkeit einen klassischen Topos von Kunst und Kunstgeschichte. Ganz im Vorbeigehen wird die Vergangenheit des Momentes JETZT deutlich, in dem diese Botschaft auf das Dach des NAK geschrieben wurde, die in vielleicht drei, vielleicht auch schon in zwei Jahren von der ganzen Welt im Netz gelesen werden kann.