Vernissage: 22.Januar 2022, 17-22 Uhr
Midissage: 12. Februar 2022, 14-20 Uhr
Laufzeit: 23. Januar – 12. März 2022
Begrüßung: Dr. Werner Dohmen, Vorstandsvorsitzender NAK
Einführung: Maurice Funken, Direktor NAK

Achtung: Für den Besuch der Ausstellung, die Eröffnung sowie mögliche Begleitveranstaltungen gilt stets die 2G-Regel: geimpft oder genesen. Halten Sie bitte einen Nachweis über eine vollständige Impfung oder Genesung bereit. Es gelten weiterhin alle gängigen Corona-Schutzmaßnahmen. So ist u.a. das Tragen einer medizinischen oder FFP2-Maske in den Ausstellungsräumlichkeiten verpflichtend.

Wir leben in grellen Zeiten. Während der internationale Rechtsruck im Windschatten der Pandemie weiter Fahrt aufnimmt und Neonazis gemeinsam mit Verschwörungs-Hippies den Reichstag stürmen, bekriegen sich verschiedene Flügel der Zivilgesellschaft in Diskussionen um Cancel Culture. Doch wenn sich der Siegeszug von Esoterikern, Nazis und Eso-Nazis weiter fortsetzt, werden diese Diskussionen bald ohnehin obsolet, weil dann die Meinungsfreiheit zusammen mit den Restbeständen der Demokratie weggecancelt wird.

So weit, so schlecht. Aber was schlecht für die Menschen ist, ist oft gut für die Kunst, die ja bekanntlich von Konflikten lebt. Grelle Zeiten, könnte man sagen, verlangen nach greller Kunst: Vom 23. Januar bis 12. März 2022 zeigt der NAK Neuer Aachener Kunstverein mit kANzELKuLTuR die erste institutionelle Einzelausstellung des Kollektivs Frankfurter Hauptschule.

Neben dem Schulterschluss zwischen Impfgegnern, Esoterikern, Wutbürgern und organisierten Neonazis gerät dabei auch ein Trend in der jungen Gegenwartskunst ins Sichtfeld. Immer wieder und immer mehr lassen sich auf den Rundgängen der Kunsthochschulen, in Ausstellungen von Nachwuchskünstler_innen und auf Instagram Formensprache und Elemente deutscher Romantik und nordischer Mystik und Mythologie erkennen. Unübersehbar häufen sich mittelalterliche Schnörkel, Tribals, Drachen, Feen, Ritter, Schwerter, heidnische Symbolik; als Materialien finden sich etwa Holz, Äste, Wachs, Tuch, Heilsteine, Erde, Stroh, Rauch usw.

Um eine derartige Ästhetik zu verstehen, ließe sie sich zu Ende denken – in der träumerischen Weltflucht blitzen antiaufklärerische Affekte auf, hinter dem Endzeitgefühl und der Beschwörung des Okkulten lauert die Faszination für den Kern der Ästhetik des Faschismus, “Kitsch und Tod” (Saul Friedländer).

Die Ausstellung  kANzELKuLTuR fragt danach, warum – während auf der Straße eine neue Querfront aus Nazis und Esoterikern Hand in Hand marschiert – junge und politisch sensibilisierte Künstler_innen knietief in mystischen Bilderwelten waten. Ist dieser Hang zum Spiritualismus als postkoloniale Antwort auf einen westlichen Universalismus der Aufklärung gemeint? Und würde eine solche Antwort Sinn ergeben? In Deutschland, wo der Romantik und Anthroposophie eine eher fragwürdige historische Rolle zukommt? Oder sollte diese neue Strömung gecancelt werden? Und was hat Rudolf Steiner mit Donna Haraway zu tun? Wann wird’s mal wieder richtig Faschismus? Vehemento mori! Wer hat Lust auf Selbstmordparty?

Die Frankfurter Hauptschule ist ein gut zwanzigköpfiges Kollektiv aus Frankfurt am Main, das sich an der Städelschule gründete und seit 2013 Kunst- und Schmerzgrenzen im Stresstest des öffentlichen und medialen Raums erforscht. In ihren Arbeiten loten die Künstler_innen gesellschaftliche Belastbarkeiten und juristische Zuständigkeiten aus. 2018 empörte sich der Frankfurter Polizeipräsident über eine Intervention, bei der die Gruppe einen Streifenwagen im öffentlichen Raum abbrannte. 2019 löste sie öffentliche Diskussionen aus, als sie in einer Doppelaktion das Goethe-Haus in Weimar mit Klopapier bewarf und in Köln eine Ausstellung mit Nacktbildern von Kindern eröffnete. 2020 sorgte der fingierte Diebstahl einer Beuys-Skulptur und deren Überführung nach Tansania als Geste der Restitution kolonialer Beutekunst für ein internationales Echo. Seit dem Wintersemester 2021/22 nimmt die Frankfurter Hauptschule eine Gastprofessur an der Universität der Künste Berlin wahr.

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