Béla Pablo Janssen
Theater der Sonnenzuwendung
Ausstellung
01.02. - 12.04.2026
Vernissage
Samstag, 31.01.2026, 17-23 Uhr
Gartensauna für Gäste (Handtuch mitbringen)
Begrüßung durch Prof. Ilka Helmig, 19 Uhr
Einführung durch Maurice Funken, 19.15 Uhr
Live-Radiosendung: pilot.radio.fm
Publikationsveröffentlichung
Samstag, 28.03.2026, 18-21 Uhr
Gespräch zwischen Maurice Funken, Sebastian Hammerschmidt und Julia Martel
Live-Radiosendung: pilot.radio.fm
Finissage
Sonntag, 12.04.2026, 14-18 Uhr
Live-Radiosendung: pilot.radio.fm
Mit Theater der Sonnenzuwendung entwickelt Béla Pablo Janssen eine ästhetische Sprache, die Fragen der Wahrnehmung als Teil übergeordneter planetarer Zusammenhänge begreift. Die Sonnenzuwendung erscheint dabei als kosmischer Rhythmus, in dem menschliche und nicht-menschliche Prozesse miteinander verschränkt sind. Durch die Zusammenführung verschiedener Werkgruppen und ortsspezifischer Setzungen reflektiert die Ausstellung zugleich das zeitgenössische Potential eines Gesamtkunstwerks.
Der Beginn der Ausstellung wird durch eine programmatische Setzung an der Außenfassade des NAK markiert, der bewusst auf der Schwelle von Umwelt und Ausstellungsraum angebrachten Neonarbeit morgens endet nie (2026). Mit ihr wird die menschliche Perspektive ins Verhältnis zu einer planetaren gesetzt und eine nicht-anthropozentrische Sicht auf Zeit aufgerufen: Der Morgen als lokaler Effekt eines kosmischen Rhythmus, als immer nur regionale Zuschreibung eines ununterbrochenen Zyklus.
Innerhalb des NAK orientiert sich die Ausstellung an einer dramaturgischen Konzeption und nimmt dabei immer wieder Anleihen an Bühnen- und Theaterarchitektur. Gleich mit dem Eingangsbereich wird eine Foyersituation evoziert – mit dem Unterschied, dass die Besucher:innen unvermittelt Teil der Präsentation sind, das Öffentliche selbst reflektiert wird. Ein roter Teppich – ein Berlinale Relikt, bewusst behelfsmäßig zusammengeflickter Traum von Fame -, ein Videoloop, das diesen Teppich selbst wieder in Szene setzt. Ein Community Radio bildet regelmäßigen Anlass für Gatherings. Die Bar ist hierarchiefreier Ort ungezwungenen Austauschs, genauso wie die während des Openings aufgebaute, temporäre Sauna – alle sind nackt und/oder drunk.
Im unteren Ausstellungsraum wird die Wahrnehmung dann selbst zum Gegenstand der Inszenierung: in ihrer Einbettung in eine menschliche als auch planetare Zeitlichkeit, in ihrer Verschränkung menschlicher und nicht-menschlicher Wirkzusammenhänge. Ein Super-8-Loop rattert im Zentrum des Raums, ein Set von Spiegelmobile und Scheinwerfern erzeugt in regelmäßigen Intervallen eine Veränderung der Lichtsituation; durch eine weitere Spiegelkonstruktion wird das Licht der Sonne im wiederkehrenden Tagesrhythmus in den Ausstellungsraum geworfen. Die in die Fenster montierte Serie Le soleil se leve derrière l’abstraction (2016-26) fungiert mit ihren opaken Glaselementen als semi-transparente Membran, die zwischen den Lichtverhältnissen von Innen- und Außenraum vermittelt. Wenn dabei die lasierend-verwaschene Farbigkeit der Arbeiten auf aquarellierte, morgendliche Wolkenformationen zurückgeht, ist dies nicht nur Reverenz an eine besondere Lichtsituation. Die Wolke ist hier ebenso – frei nach Hubert Damisch – eine figurale Operation, die das darstellerische System der Malerei selbst sichtbar macht, etwas, das sich in seiner Fluidität der Form entzieht und zugleich Form hervorbringt. Diese Reflexion von Darstellung und Darstellbarkeit der Wahrnehmung unter ihren geo-klimatischen Bedingungen verbindet sich in drei, eigens in den Raum eingepassten Wandarbeiten (2025-26) mit Möglichkeiten von Selbstverortung und Habitat. Als Bühne des Alltäglichen dienen Architekturmodelle spielerisch der Frage nach Leben und Lebensraum.
Im Treppenhaus wird durch die jüngste Edition des Anarchive (2023-26) die Frage nach Öffentlichkeit nochmal aufgegriffen – nun allerdings in ihrer Negation. Paint trifft Poster, durch das Übersprühen der Textelemente wird Ausstellungsplakaten ihre Mitteilungsfunktion entzogen und sie zu rein visuellen Gebilden umgewandelt, Deleten als malerische Geste.
Im oberen Ausstellungsraum entfaltet schließlich eine Reihe von Zeichnungen ein dichtes Geflecht von Bezügen zwischen Ausstellungsraum, Archiv und Buch. Ursprünglich zwei Archivzusammenhängen des Künstlers entnommen, lassen sie Verfahren des Sammelns und der Ordnungsbildung sichtbar werden, ebenso markieren sie aber einen Vorgriff auf ein im Verlauf der Ausstellung erscheinendes Künstlerbuch. Nicht zuletzt bilden sie in einem Wechsel des Medienregisters das Motiv für einige der Siebdruckarbeiten, die gegenüberliegend dicht an dicht gehängt sind. Die sich in der Ausstellung vielfältig überlagernden Rhythmen und Temporalitäten werden hier darüber hinaus ins Akustische ausgedehnt: eine Dubplate des Hamburger Musikers Block Barley läuft im Dauerloop. Über das hörbare, regelmäßige An- und Auslaufen der Platte werden nicht zuletzt Medium und Wahrnehmung noch mal selbst reflektiert: Übergang von der Materialität des Trägers zu einer Semantik des Klangs, Wahrnehmung erscheint hier ein weiteres Mal als prozessual, nicht objektzentriert, das Ästhetische als Grenzzustand und Relation statt als fixes Objekt. Nur konsequent, dass mit einer zweiten Neonarbeit ein weiteres Mal die Sonne aufgeht: morgens endet nie.
Béla Pablo Janssen (1981, Köln) studierte an der HAW Hamburg, der UdK Berlin und der HBK Braunschweig. Seine Ausstellungen und Residencies führten ihn u. a. nach Basel (#notforsale, Basel Social Club), Brüssel und Paris (Jeanroch Dard), Düsseldorf (Kunsthalle, LRRH_), Köln (artothek, Galerie ALBER), Rio de Janeiro (Instituto Inclusartiz), São Paulo (FAAP) und Tokio (Sam Francis Residency). Jüngste Publikationen erschienen bei Salon Verlag, Sorry Press und Spontan Verlag.
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