Eröffnung: 02. Juli 2022, 18-23 Uhr
Laufzeit: 03. Juli – 21. August 2022

Der NAK Neuer Aachener Kunstverein freut sich die Gruppenausstellung Queering the Narrative präsentieren zu dürfen. Die Ausstellung versammelt im Kunstverein erstmals 19 nationale und internationale Künstler_innen, welche sich allesamt dem LGBTQIA*-Spektrum zugehörig fühlen.

Vor dem Hintergrund vorherrschender heteronormativ geprägter und reaktionärer Manifestationen von Identität und deren künstlerischer Repräsentation stellt die Gruppenausstellung die Frage nach queerer Identität und Narrativen sowie deren Einfluss auf das künstlerische Werk der Teilnehmer_innen.

Mit Queering the Narrative bietet der Kunstverein bewusst und ausschließlich Platz für diverse, queere Positionen der zeitgenössischen Kunst. Die öffentliche Repräsentation queerer Themen in allen Medien, so auch der Kunst, zieht auch heutzutage gesellschaftlich weiterhin Kritik auf sich. Diese variiert zwar in ihrer Intensität, basierend auf den sozialen und politischen Systemen sowie die daran gekoppelte geografisch bedingte Historie in denen queere Konzepte verhandelt werden, scheint aber grundsätzlich nie gänzlich zu verstummen, wenngleich die Akzeptanz queerer Inhalte im Schutzraum einer Museums- oder Ausstellungsinstitution wächst. Dort gelingt es der Kunst nicht nur heteronormative Werte und Codes in Frage zu stellen, sondern sie zeigt auch andere Sichtweisen und Perspektiven auf und schafft zugleich Identifikationspotential für queere Menschen. Mit der Intention queere Bilder vermehrt ins kollektive Bildgedächtnis einzuschreiben wird im Idealfall darüber hinaus der Kampf für LGBTQIA*-Rechte gestärkt und eine Normalisierung queerer Lebensweisen vorangetrieben.

Die ausgewählten Werke der Ausstellung im NAK stammen aus verschiedenen Gattungen, so trifft Malerei auf Grafik, Fotografie, Installation, Skulptur oder Video. Die Arbeiten zeigen bisweilen interdisziplinäre Schnittstellen auf, sind aber inhaltlich und ästhetisch ebenfalls miteinander im Ausstellungskontext verknüpft und bilden so ein komplexes Geflecht aus Codes und Erzählungen. Dabei sind die Sujets der Arbeiten besonders vielfältig, sowohl privater als auch politischer Natur, teilweise gegenständlich, stellenweise abstrakt, jedoch stets der Frage der queeren Identität, dem Schreiben der (eigenen) queeren Geschichte verpflichtet.

Der Idee Queering the Narrative folgend möchte der Kunstverein so den institutionellen Diskurs um queere Inhalte und Positionen im Ausstellungsbetrieb weitertreiben und Macht- und Sichtbarkeitspolitiken, gerade eben auch in der Kunstwelt, hinterfragen. Queere Identität und queere Kunst soll als pluralistisches, veränderliches Konzept verstanden werden, das in mannigfaltiger und positiv besetzter Ausprägung einer heteronormativen Gesellschaft komplementär zur Seite gestellt wird. Queerness als Geschenk, gern geschehen.

Über die künstlerischen Produktionen der Ausstellung hinausgehend werden anhand von Performances, Lectures und Workshops alternative, da queere Handlungsräume evoziert, um performative und transgressive Konzeptionen von LGBTQIA*-Identität in den Vordergrund zu rücken. Das entsprechende Begleitprogramm der Ausstellung findet sich zeitnah auf der Homepage des NAK und wird in den sozialen Medien bekannt gegeben.

 

Teilnehmende Künstler_innen

Soufiane Ababri (* 1985 in Rabat, Marokko) studierte am École Supérieure des Beaux Arts de Montpellier, am École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs, Paris und am École Supérieure des Beaux Arts, Lyon. In seinen Zeichnungen und Performances verweist er auf Kunst, Film, Musik und Geschichte, reale als auch fiktionale Begegnungen, aber auch die schwule Subkultur der westlichen und nicht-westlichen Welt. Er lebt und arbeitet in Paris, Frankreich und Tangier, Marokko.

Kira Bunse (*1979 in Braunschweig) lebt und arbeitet als Fotografin in Paris. Die Modefotografie steht zwar im Mittelpunkt ihrer Arbeit, jedoch kann Bunse ebenfalls auf eine lange künstlerische Ausstellungstätigkeit zurückblicken, so stellte sie zuletzt 2019 unter dem Titel Traveling Light bei ITALIC in Berlin aus.

TM Davy (*1980 in New York, USA) studierte an der School of Visual Arts in New York, an der er heute unterrichtet. In seiner ausgeprägt mit Licht und Schatten modellierenden Malerei spannt Davy ein wahlverwandtschaftliches Netz aus Familie und Freunden auf. Er lebt und arbeitet in Brooklyn, New York.

Josh Faught (*1979 in St Louis, Missouri) studierte Textildesign, Kunstgeschichte und Materialwissenschaften in Oberlin, New York und Chicago. Faughts Assemblagen fügen sich zu thematisch dichten Skulpturen zusammen, die queere Geschichte und Identität gleichermaßen transportieren. Er lebt und arbeitet in San Francisco, Kalifornien.

Elburuz Fidan (*1988) studierte an der Hochschule für Künste Bremen und der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Fidans Installationen schaffen komplexe und vielschichtige Raumlandschaften, die beispielsweise ökonomische, natürliche, fantastische, politische und queere Elemente verbinden. Fidan lehrt an der Hochschule für Künste Bremen.

Jenna Gribbon (*1978 in Knoxville, Tennessee) studierte am Hunter College, New York. In den Gemälden Gribbons werden oftmals persönliche Szenen bildwürdig, so malt sie etwa
ihre Partnerin und enge Freunde in intimen Konstellationen die dem kunsthistorisch gängigen male gaze entgegenwirken. Sie lebt und arbeitet in Brooklyn, New York.

Philipp Gufler (* in Augsburg) studierte an der Akademie der Bildenden Künste München und an der Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe. Guflers multidisziplinäre künstlerische Praxis verhandelt häufig queere Inhalte nach einer vorherigen intensiven Auseinandersetzung mit Archivmaterialien. Er lebt und arbeitet in Amsterdam und München.

Harry Hachmeister (*1979 in Leipzig) studierte Bildende Kunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Sein transdisziplinäres Werk beinhaltet Fotografie, Malerei und Skulptur. Er lebt und arbeitet in Leipzig und Berlin.

Constantin Hartenstein (*1982 in Berlin) studierte Kunst und Medien an der UdK Berlin und an der HBK Braunschweig. In seiner vielfältigen künstlerischen Praxis interessiert sich Hartenstein für den (queeren) Körper und dessen Optimierungen in einer technisch geprägten Umwelt. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Christopher Hartmann (*1993 in Haßfurt) studierte am Goldsmiths, University of London. In seiner Malerei erforscht er menschliche Beziehungen zwischen Intimität und Entfremdung, Nähe und Distanz. Er lebt und arbeitet in London.

Evan Ifekoya (*1988 in Iperu, Nigeria) arbeitet mit Sound, Text, Video und Performance um Kunst als Umverteilungsort für Ressourcen und Macht, etwa für queere und BPOC Personen, neu zu definieren. Ifekoya gründete 2018 das Kollektiv Black Obsidian Sound System, welches 2021 für den Turner Preis nominiert war. Evan Ifekoya lebt und arbeitet in London.

Artor Jesus Inkerö (*1989 in Helsinki, Finnland) studierte an der Academy of Fine Arts, Helsinki und der Rijksakademie, Amsterdam. Inkerös multidisziplinäre Praxis umfasst Video, Performance, Fotografie, Malerei als auch Skulptur; darin arbeitet sich Inkerö in einer Art Langzeitperformance an westlichen, stereotypen Vorstellungen von Männlichkeit ab. Inkerö arbeitet in Helsinki und Amsterdam.

William E. Jones (*1962 in Canton, Ohio) studierte am California Institute of the Arts und an der Yale University. Seit mehr als drei Jahrzehnten produziert Jones Filme, Videos, Fotografien und Bücher, in denen er vorhandenes kulturelles Material aus archivarischen Quellen neu untersucht und umdeutet. Im Jahr 2009 war Jones im Dänischen und Nordischen Pavillon auf der Biennale von Venedig vertreten. Er lebt und arbeitet in Los Angeles, USA.

Sholem Krishtalka (* in Montreal, Kanada) arbeitet in den Bereichen Malerei und Zeichnung. Sein Werk zeigt oftmals autobiografische Bezüge auf, so portraitiert der Künstler etwa Freunde und Bekannte in Öl auf Leinwand. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Martin Maeller (*1990) studierte an der Weißensee Kunsthochschule in Berlin. Maellers oftmals installative Arbeiten speisen sich aus persönlichen Erfahrungen, Popkultur und Mythologie und deuten in der vermeintlichen Nutzung von Alltagsgegenständen diese um. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Paul Mpagi Sepuya (*1982 in San Bernardino) studierte an der University of California in Los Angeles und der New Yorker University Tisch School of the Arts. In seinen fotografischen Arbeiten spielt die Selbstreflexivität stets eine große Rolle sowie die Auseinandersetzung mit dem Medium der Fotografie. Auch stellen die Arbeiten die Idee von Identität und Repräsentation in Frage. Er lebt und arbeitet in Los Angeles, USA.

Aistė Stancikaitė (*1988 in Litauen) studierte Kunst an der Vilnius Academy of Arts. Sie arbeitet in monochromer Zeichnung und Malerei, wobei sie Textur und Tiefe durch den detaillierten Umgang mit Violett- und Rottönen erreicht. Die Künstlerin hinterfragt so die Wahrnehmung der Realität durch die Präzision ihrer künstlerischen Praxis. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Luki von der Gracht (*1992 in Aachen) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf. Die Künstlerin verfolgt einen multidisziplinären Ansatz aus Performance, Malerei, Zeichnung, Video und Installation der thematisch um Fragen von Identität, Gemeinschaft und Machtstrukturen kreist. Sie lebt und arbeitet in Berlin.
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